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Stefan Sandner

Einladung: Stefan Sandner. 2016

21.10.2016 - 24.11.2016

Galerie Meyer Kainer, Wien / Österreich

PRESSEINFO

In seiner nunmehr dritten Einzelausstellung in der Galerie Meyer Kainer präsentiert Stefan Sandner eine Auswahl von elf malerischen Arbeiten die seinen konsequenten, das Medium redefinierenden Weg beschreiben. Arbeiten, in denen der Künstler auch erneut handschriftliche Aufzeichnungen (z. B. eine Galerienprogramm-Transkription, Tageszeitungsheadlines, Gefundenes...) isoliert, de-kontextualisiert und sie auf die Leinwand überträgt. Auf Leinwand und ins Bild transponiert, adressieren diese Bilder rasch ihre Betrachter_innen mit dem Sinngehalt des Textanteils, verweisen einerseits auf ihre mediale Vertrautheit und lenken andererseits die Aufmerksamkeit darüber hinaus jedoch auf grundsätzliche Problemlagen der Malerei heute bzgl.... ihrer Ausdrucksfähigkeit und medialen Verortung. In dieser ut pictura poesis nimmt Sandner geisterhaft das Geschriebene stets aus der Horizontalität von Schreiben und Schrift und führt die raschen, unbewussten und zufälligen Gesten allgemeiner Alltagsbotschaften in komplexe Pinselbahnen und wagt die Markierung eines utopisch anmutenden Punkts, an dem das visuelle und textliche Angebot endlich auch einmal stoppte. Je mehr hier das Handschriftliche inszeniert wird, desto eher wird auch davon ausgegangen, dass es sich um die Handschrift des Künstlers handelt. Das der oder die Betrachter_in dann eher zu graphologischer Psychodiagnostik und zur Zusammenhangsuche zwischen Handschrift und Persönlichkeitsmerkmalen neigt als zur Bildanalyse, ist dabei ebenso bemerkenswert wie Frank Stella's einstige Beobachtung, dass es sich bei Malerei generell um eine Art Handschrift handelt. Transfers von Headline-Aneinanderreihungen einer österreichischen Tageszeitung am iPhone des Künstlers in grelles Gelb auf Leinwandübergröße oder die Erweiterung des grafischen Konzeptes des einst dafür engagierten und ebenfalls in der Galerie vertretenen Liam Gillick mit der Ausweitung (s)eines eigens gewählten Grüntons auf die Künstler_innenliste der Galerie führt Sandner in die Rhetorik der malerischen Geste. Er reagiert damit auf eine kunstimmanente Publikums-situation, die Gillick selbst folgend einschätzte: “Diese kritische Gemeinschaft ist selbst zugleich Subjekt und Publikum. Deshalb befinden wir uns in einer Situation, in der ein Künstler ein Problem umreißt, um es anschließend präzise außer Reichweite zu präsentieren, um damit das Potential einer autonomen Praxis zu testen.” Die Praxis Sandners ist ausschließliche jene der Malerei und stellt sich den Erwartungen an hochgradig vernetzte Künstler_innen einer post-post-Studio Welt und widmet sich akribisch den Schwierigkeiten und Widersprüchen von Material- und Formatproblemen und visueller Konstruktion. Auch gerade im Zusammenspiel im Display mit den in dieser Ausstellung vertretenen referenzreichen Übermalungen, verkehrten Porträts, shaped canvasses und Dick-Bauch-Diptychons streicht er der Malerei unbegrenzt aktuelles Potential für die Herstellung von Bedeutung und Aktion hervor. Die Ruhe und das Kalkül welche die Arbeiten in geisterhafte Präsenz ihres abwesenden Autors ausstrahlen, mögen auch zusätzlich dem Umstand geschuldet sein, dass jene Momente, an denen sich Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und flüchtiger Pinselstrich überhaupt noch neu organisieren können1, in von social-media geprägten und wild tobenden Aufmerksamkeitsökonomien hart erarbeitet sind.

Christian Egger

1John Kelsey, S.270, “Das Sextleben der Malerei” in “Painting 2.0 Malerei im Informationszeitalter”, Prestel Verlag, München, 2015


[Quelle: http://www.meyerkainer.com]

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last modified at 22.10.2016


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