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Mohau Modisakeng. Kgomo Ya Moshate

Einladung: Mohau Modisakeng. Kgomo Ya Moshate. 2015

05.09.2015 - 24.10.2015

Kunstraum Innsbruck, Innsbruck / Österreich

Der südafrikanische Künstler Mohau Modisakeng (geboren 1986 in Soweto, lebt und arbeitet in Kapstadt) zeigt erstmals im Kunstraum Innsbruck eine Einzelausstellung in Europa. Derzeit werden seine Arbeiten ebenfalls auf der 56. Biennale in Venedig im südafrikanischen Pavillon einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Der Titel der Ausstellung „Ke Kgomo Ya Moshate“ ist einem Sprichwort in der Muttersprache des Künstlers Setswana entlehnt und lautet im Ganzen „Ke kgomo ya moshate, wa e gapa o molato, wa e lesa o molato“, was frei übersetzt so viel heißt wie: Die Sache ist nicht zu lösen, ohne jemandem auf die Füße zu treten (bzw.... es ist eine unlösbare Situation). Der Titel wird umso eindringlicher, desto mehr man sich mit dem Werk des Künstlers auseinandersetzt. Modisakeng verwendet die Technik des Selbstporträts, um sich mittels großformatiger Fotografien, Perfomances oder Videoinstallationen seiner Identität als Südafrikaner und den politischen Veränderungen seines Heimatlandes anzunähern. „Die wichtigste Botschaft hinter meiner Arbeit hat mit dem Einfluss der Geschichte der Gewalt darauf zu tun, wie wir unsere kulturelle, politische und soziale Rolle als Menschen verstehen“, erklärt der Künstler. „Die Hoffnung ist, damit zu enthüllen, wie Macht manipuliert wird, um unser Verhältnis zu unseren Körpern zu verändern.“

Die Kindheit des in Soweto nahe Johannisburg aufgewachsenen Künstlers war geprägt von den Unruhen in den Townships. In seinem Werk thematisiert er diese Erfahrungen anhand der Geschichte, Kultur und Politik des post-kolonialen Afrikas und im speziellen der Post-Apartheid-Ära Südafrikas, die er in eindrücklichen Performances, Fotografien, Videoarbeiten und Skulpturen verarbeitet. Seine künstlerische Praxis ist getragen von dem Unterfangen, die Dichotomie der Gewalt und des Leids der südafrikanischen Gesellschaft mit der Geschichte und Gegenwart seines Landes zu verweben. Hierzu entstehen eindrückliche Bilder, die diesen Gegensatz sprichwörtlich einfrieren und in eine fast zeitlose Sprache übersetzen. Ohne die Gewalt zum vordringlichsten Thema zu machen, gelingt es Modisakeng, jene Erinnerungsbilder der Gewalt und der Ungerechtigkeit in eine poetische Sprache zu übersetzen, die ohne Schuldzuweisung und Anklage den Betrachter die Geschichte Afrikas unvermittelt vor Augen führt. „Meine Arbeit antwortet auf einer elementaren Ebene auf die Geschichte des schwarzen Körpers im (süd)afrikanischen Kontext, die in vieler Hinsicht nicht von der Gewalt der Apartheid-Ära und der frühen Neunzigerjahre zu trennen ist. Ich denke, diese Arbeit erzeugt eine eigene Faszination, denn während wir Geschichte als unsere Vergangenheit erkennen mögen, schert sich der Körper nicht um gesellschaftlichen Wandel, also erinnert er sich“, erklärt der Künstler.

Sein Werk ist beeinflusst von der südafrikanischen Bildhauerin Jane Alexander, bei der er auch studierte, und reiht sich in die Tradition weiterer jüngerer Künstler aus Südafrika ein, wie z. B. Wim Botha, der im Winter 2013 ebenfalls eine Einzelausstellung im Kunstraum Innsbruck hatte. Auf Basis seiner atmosphärisch und mythisch aufgeladenen Arbeiten, die eine kollektive Narration in sich tragen, ist sein Werk auch in der Tradition von Joseph Beuys bis hin zu Matthew Barney zu lesen. Im Kontext des performativen Akts konzentriert er die Darstellung des Menschen auf seine eigene Person, die er mit unterschiedlichen Objekten und Materialien szenisch auflädt. Im Rahmen der Eröffnung wird Modisakeng hierzu eine eigens für den Kunstraum Innsbruck entwickelte Performance zeigen.

Die Arbeit Untitled (Frames I-XIII) aus dem Jahr 2012 zeigt Modisakeng in schwarzer Kleidung vor weißem Grund. Er trägt eine traditionelle Trauerrobe und einen schwarzen Hut. Im Detail sieht man, wie er einzelne Requisiten in das Bild einbringt, wie z. B. Pferdescheuklappen, Peitschen und Macheten, die wiederum eine Referenz zum Bürgerkrieg und der Gewalt herstellen. Die Trauerrobe steht exemplarisch für das neue Südafrika, das im Spannungsfeld seiner belasteten Geschichte und unsicheren Gegenwart noch nicht seinen Platz und seine Ausrichtung gefunden hat. Das Video Inzlo (2013) bezieht sich ebenfalls auf diese Trauerphase bzw. ist der Titel ein Begriff aus der Zulu Sprache und bedeutet Trauer. Hierbei zeigt er ein Trauerritual, bei dem er vor weißem Grund auf einem Stuhl sitzt und sich Aschepartikel von der Haut abzieht und diese gemeinsam im Moment des Aufstehens in die Luft wirft. Dieses Video wird derzeit auf der 56. Biennale in Venedig gezeigt. Für den Kunstraum Innsbruck entwickelt er ebenfalls eine neue Fotoserie. (Karin Pernegger)

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last modified at 24.09.2015


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