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BIKE YOUR DREAM

03.09.2013 - 28.09.2013

Projektraum Viktor Bucher, Wien / Österreich

Die Grenzen zwischen Stadt und Land sind nicht mehr klar gezogen. An der Schnittstelle oder den Rändern der Urbanität findet seit Jahren eine Eigendynamik statt. Sei es in der Architektur, Einkaufszentren oder Shopping-Malls, in Fortbewegungs- oder Transportmedien, oder in der Freizeitkultur. Outdoor-Aktivitäten finden wiederum vermehrt in Global Cities statt. Die Freizeitindustrie boomt und ist unaufhaltsam in ihrem Ideenreichtum. Neue Trends werden in einem breiten Spektrum für den Konsumenten erarbeitet und entwickelt.... Eine der ältesten Freizeit-Sportarten ist das Cycling. Beobachtet man die Entwicklung der letzten 20 Jahre, so hat sich dieser Sektor technisch enorm weiterentwickelt. Ständig sind neue Trends zu beobachten, die von Jahr zu Jahr verbessert und erweitert werden. Der größte Input kommt von professionellen oder semi-professionellen Bikern. Ingenieure und Entwickler setzen diese Ideen um und streuen ihre Produkte auf den Weltmarkt. In unzähligen Magazinen werden diese Produkte angepriesen und von der Community aufgenommen. Auch Künstler beobachten diese Trends. Einige beschäftigen sich mit dem Thema Cycling in ihrer künstlerischen Produktion und ein Teil davon fährt auch aktiv in der Freizeit mit dem Bike, Mountainbike, Single-Speed-Bikes, etc. Über einige künstlerische Positionen, die sich mit dem Cycling beschäftigen, habe ich recherchiert und dabei markante Eckpunkte gefunden, die für ein Ausstellungsprojekt geeignet waren. Wien wurde im Juni 2013, nach Vancouver, zur Hauptstadt des Cycling gekürt. Einige Institutionen präsentierten zeitgleich thematische Ausstellungen, wie zum Beispiel das MAK mit der Sammlung-Embacher „Tour Du Monde“. Departure, die Kreativagentur der Stadt Wien, schrieb einen Designwettbewerb rund ums Rad aus. Filmproduktionen, Skulpturen und Events im öffentlichen Raum rundeten das Programm ab.

Wolfgang Burtscher, der aus Tirol stammende Künstler, dokumentierte auf seiner einjährigen Radtour von Österreich nach Thailand täglich den überfahrenden Untergrund. Der Dreck im abgedruckten Reifenprofil wird analysiert und dokumentiert. Unterwegs fährt er jeden Tag jeweils über ein Blatt Papier. Auf den 21 x 21 cm großen Blättern notiert er außerdem die jeweiligen GPS-Daten und andere Infos. Dieses spezielle Logbuch der Mobilität wird am Institut für Mikrobiologie an der Universität Innsbruck ausgewertet. Die so entstandenen Blätter bezeichnet er als„tripmarks“.

Rainer Ganahl, der in New York lebende Vorarlberger:„Moderne Städte wurden für Autos gemacht. Ältere Städte werden benutzt, als wären sie für Autos gemacht worden, mit Ausnahme kleiner Fußgängerzonen, die in Einkaufspassagen umgewandelt wurden“, schreibt etwa Ganahl als Auftakt seines Fahrrad-Manifestes. Der Begriff „urbane Mobilität“ hat sicher sehr viel mit dem optimalen Zusammenspiel vom öffentlichen und privaten Verkehrsmittel zu tun. Es geht aber auch um Lebensqualität für Menschen, die im städtischen Raum leben und arbeiten. 2012 hat Ganahl im Tresor der Bank Austria eine Ausstellung konzipiert, die im Zentrum des Fahrrads stand. I wanna be Alfred Jarry war der Titel dieser Ausstellung. Die historische Symbolfigur „Fahrrad“ manifestierte er als Denkmodell in einer Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Heute“. In seinen Installationen wird die Schnittstelle zwischen Kunst, Leben und Gesellschaft in eine Lebenspraxis transformiert und Verschmelzungen ästhetischer, politischer und wissenschaftlicher Denkprozesse sichtbar gemacht.

Michael Gumhold, lehnt sich an Marcel Duchamps Werk an. Das erste Ready-Made Duchamps Roue De Bicyclette, 1913, welches als verschollen gilt, wurde im Laufe der Zeit bis heute mehrfach persifliert und kopiert. Gumhold verwendet dieses Ready-Made im öffentlichen Raum an Fahrrad-Abstellplätzen, oder in stark veränderter Form in Galerieräumlichkeiten. Dieses De-Ja-Vu ist einerseits Kunstkennern vorbehalten, andererseits bewirken diese öffentlichen Installationen Irritationen bei Fahrradfahrern und Stadtbewohnern. Ein Statement zum Stillstand der urbanen Fortbewegung ist dabei nicht von der Hand zu verweisen.

David Moises, ist der „Techniker“ unter den Künstlern. Sein Ideenreichtum an Umbauten von „Freizeitmaschinen“ scheint ungebremst. Für das Tunen seiner Objekte verwendet er oft Abfälle oder Bruchstücke aus dem städtischen Raum. Der Künstler baut aus Fahrrädern Stromerzeuger, aus BMX-Rädern Ergometer, oder er versieht diese mit selbstgebauten Elektromotoren. Das erstaunliche an seinen umgebauten Objekten ist, dass diese nicht nur als Objekt per se faszinieren, aber auch technisch funktionieren. Im Prinzip transformiert Moises Objekte zu neuen Objekten mit anderer Funktion.

Daniel Kraut, ist Geograph und im Bereich der Street Art angesiedelt. Anlässlich der letzten Wasserbiennale Fürstenfeld 2012, beschäftigte er sich in einer wissenschaftlichen Arbeit über die urbanen Gelände-formen im Feistritztal - zum Nutzen für Freerider und Downhiller. Die auffallenden Grabenlandschaften sind Folge von Wassererosionen und repräsentieren durch ihren kontinuierlichen Gestaltswandel Orte, die sich jeder effektiven Vermessung verweigern. Daniel Kraut baut auch Bikeparks in städtischen Randzonen und kreiert Mode und Accessoires für Biker.

Peter Sandbichler, der in Wien lebende Tiroler Künstler, interessiert sich als Bildhauer für die Ambivalenz seiner Objekte und deren Abweichung, die wiederrum durch Veränderungen entstehen. Er baut unter anderemmodulare Konstruktionen aus Fahrradtransportkartons. So entstehen aus diesem robusten Material etwa Labyrintheoder „Walls“. Lediglich die aufgedruckten Logos und grafischen Transportanweisungen geben Hinweise auf die ursprüngliche Nutzung des Materials.

Christoph Schirmer´s Werke sind ein Crossover zwischen Malerei und virtueller, digitaler Welt. Schirmer selbst ist aktiver Mountainbiker. Aspekte von Geschwindigkeit und MTB-Design finden auch Einzug in seine Bildwelt. Das statisch klare Bild der Realität weicht einem durch Speed gebrochenen Raster. Farbe wird akustisch, erhält Sound, der eine plastisch-optisch-dynamische Form annimmt.

Klaus Dieter Zimmer´sInstallationen beziehen sich auf dokumentarische Aufzeichnungen, die während seine Aktivität als Künstler, Freerider und Downhiller entstehen. Für seine architektonischen Eingriffe in der Landschaft benutzt er Materialien aus der Natur wie Baumstämme, Äste, Erde und Holzbretter. Diese „Apparaturen“ stehen für die Überwindung von Geländeformen, sie re-modellieren und re-designen somit die natürlichen Gegebenheiteneines bestimmten Landschaftsraumes, der mit physischer Präsenz einer kulturellen Projektion besetzt wird. Der Input sind Zeichnungsserien, Helmkamera-Videos, Fotos und Installationen, die von der Künstlichkeit, Konstruiertheit und den Fantasien dieser Freizeitentwürfe mitten in der Natur erzählen und sie auf diese Weise zurück in den urbanen Kontext einschleusen.

[Quelle: http://www.projektraum.at]

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last modified at 21.11.2013


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