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Synaptic Driver

28.04.2011 - 07.05.2011

Donaufestival, Krems an der Donau / Österreich
Elektro Gantner, Krems an der Donau / Österreich (Veranstaltungsort)
Öffentlicher Raum Krems, Krems an der Donau / Österreich (Veranstaltungsort)
Wiener Art Foundation, Wien / Österreich

In Zusammenarbeit mit der Wiener Art Foundation werden unter dem Titel „Synaptic Driver" unterschiedliche Handlungs- und Repräsentationsformen performativer Praktiken präsentiert. In den Beiträgen werden analog dem Motto des Festivals „Nodes, Roots & Shoots" Möglichkeiten erkundet, performative Arbeiten nicht als einzeln abgeschlossene Ereignisse zu erleben, sondern als offene und sich vernetzende künstlerische Ausdrucksweisen.
Veranstaltungsort ist das leerstehende ehemalige Elektrogeschäft Gantner.... Es befindet sich – nur einige Minuten vom Festivalgelände entfernt – am Rand des Stadtparks.
Dem Motto des Festivals sowie dem Zitat Bruce Naumans: „Die Kunst erlöst uns von gar nichts" folgend, werden verschiedene Ausformungen performativer und/oder installativer Arbeit präsentiert. Die einzelnen Beiträge wurden unter anderem über einen Zeitraum von mehreren Wochen entwickelt und suchen nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Publikum, sondern auch den Dialog untereinander.

Eröffnet wird das Projekt von ALBERT MAYR und LUDWIG KITTINGER / FERNANDO MESQUITAS. Mayr präsentiert eine Performance-Skulptur, die sich mit Neuen Medien und Technologie gleichermaßen auseinandersetzt wie mit elektronischer Musik, und spannt damit den Bogen zum musikalischen Programm des Festivals selbst. Kittinger / Mesquitas entwerfen ein Raumsetting, das als verbindendes Element bestehen bleibt, bis es für einen neuen Beitrag zerstört werden wird. Die Künstler gestalten zwei Wände des Innenraumes in den Komplementärfarben rot und grün. In einem subversiven Akt des Gestaltens und Zerstörens werfen sie so alltägliche Materialien wie Paprikapulver oder Rollrasen mit speziellen Hilfsmitteln an die Wände.

ALDO GIANNOTTIS Beitrag geht eine intensive Vorarbeit voraus: während seiner Reisen durch Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland, sammelte der Künstler tausende Event-Flyer. In Krems verwandelt er den Ausstellungsraum in einen Lagerraum, in dem die Flyer aufbewahrt sind. Zwei Leute werden angestellt die Flyer am Eingang des Festivals zu verteilen. Fragen nach der Autorenschaft werden ebenso gestellt wie nach den Gegebenheiten, die für die Produktion und Rezeption von Performances ausschlaggebend sind.

Ein Schwerpunkt von BORIS KOPEINIGS Arbeiten liegt in der Beschäftigung mit elektronischer (Tanz-)Musik. Das Projekt "underground dance loops" geht der Frage nach, wie Sounds Körperlichkeit beeinflussen und verändern und welche Körper hergestellt werden können.

Eine Gemeinschaftsperformance von MARIANNE VLASCHITS und MICHAEL BÄCKSTRÖM läutet das zweite Wochenende ein. Vlaschits / Bäckström lassen in einem mehrstündigen Happening Installationen, Skulpturen, Rituale und Tänze entstehen, die nach eigenen Angaben am ehesten als „schamanistisch" zu bezeichnen sind.
In Anlehnung an das Paarungsverhalten von männlichen Laubenvögeln, die aufwändige Nester bauen, um Weibchen zur Paarung anzulocken, stimmen Vlaschits und Bäckström sich und ihre „Nester" auf das anzulockende Publikum ab.

In ihren gemeinsamen Performances kombinieren CONSTANZE SCHWEIGER und JASMIN TRABICHLER wiederholt textile Objekte, die als eine Art Körper fungieren, mit Musik. Die Stoffobjekte entwickeln erst in der Verwendung durch den Körper ihr eigentliches Volumen und thematisieren die Wechselbeziehung zwischen Innen und Außen.

Im Happening mit dem Titel „Earth girls are easy (eight out of ten aliens agree)" führen STEFFI ALTE und EVA SEILER unterschiedliche Medien – Film, Plakat, Performance – zu einem präzise choreografierten Handlungsablauf zusammen. Ausgangspunkt ist der Film „Earth girls are easy" von Julian Temple aus dem Jahr 1988. Alle 20 Minuten springen die Künstlerinnen durch Plakate, auf denen ihre Konterfeis abgebildet sind und inszenieren somit ein Spiel mit kunst- und populärgeschichtlichen Referenzen.

Ebenfalls mit Referenzen arbeiten die beiden Künstler KONRAD KAGER und BAPTISTE ELBAZ. Sie verwenden Symbole, Geschichten und kulturelle Riten und verknüpfen sie zu irrationalen und surrealen Situationen. In einer Prozession wird das mit Süßigkeiten gefüllte Maskottchen „Venus vom Galgenberg" (eine Referenz an die älteste Statuette einer Frauenfigur, die nahe Krems gefunden wurde) wie eine Heiligenfigur durch den Stadtpark getragen. Der Reggae-Song „Stalag", der von einer sie begleitenden Musikkapelle gespielt wird, spielt auf das NS- Gefangenenlager Stalag 17B an, das sich ebenfalls nur wenige Kilometer von Krems entfernt befand. In einer abschließenden Aktion wird die „Venus" gleich einer mexikanischen Pinata geschlagen und die Süßigkeiten an das Publikum verteilt.

Der letzte Tag des Festivals wie auch der Performance-Reihe steht ganz im Zeichen des Themas „Gender". CHRISTINA GOESTL demontiert in ihrer Arbeit „ALL SEXES WELCOME" in radikaler Weise die Zuschreibung von populären Geschlechts-Definitonen. In einer audio-visuellen Performance werden Audio-Snippets mit Texten der Wissenschaftlerinnen und Forscherinnen Anne Fausto-Sterling, Suzanne Kessler, Sadie Plant u.a gekoppelt und via Screens in den Außenraum projiziert.

CHRISTIAN FALSNAES thematisiert in seinen Arbeiten immer wieder gesellschaftliche Erwartungshaltungen, insbesondere gegenüber tradierten Männlichkeitskonzeptionen. Diese werden mit den Mitteln der Ironie und der Übertreibung dekonstruiert. Nicht zuletzt versucht Falsnaes in seinen Performances die Grenzen zwischen Pop- und Hochkultur, zwischen Kunst, Film und Musik aufzulösen.

Einen entscheidenden Hintergrund für die Gemeinschaftsarbeit „Sugar Kisses Krems 2011" von TONI SCHMALE, LAURETTE RASCH und PHINI GONZALES bilden subkulturelle und queere Praktiken. Mittels der Handlungsanweisung „Vater, Mutter, Kind spielen" werden heteronormative Strukturen sichtbar gemacht und mittels diskursivem Umgang mit Gender- und Transidentitäten neu bebildert. Um lesbar zu machen, um welche Positionen es sich in dem Spiel handelt, werden bestimmte Accessoires (z. B. Schnauzer, Schürze und Schnuller) verwendet, die mit codierten Geschlechter- und Rollenerwartungen verknüpft sind. Die geschlossene fiktive Welt, welche die KünstlerInnen in dem Elektrogeschäft entstehen lassen, können vom Publikum nur durch die Schaufenster betrachtet werden.

[Quelle: http://www.donaufestival.at/]

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zuletzt geändert am 22.04.2012


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