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Hinter der Vierten Wand. Fiktive Leben - Gelebte Fiktionen

Einladung: Hinter der Vierten Wand. Fiktive Leben - Gelebte Fiktionen. 2010

02.06.2010 - 15.08.2010

Generali Foundation, Wien / Österreich

Wenig hat die Weltordnung so empfindlich getroffen wie die krisen-haften Ereignisse des letzten Jahres. Nach mehr als einjährigem Verharren in der Warteschleife des prognostizierten Katastrophen-szenarios wurde mit gezielter Vorsicht die Entspannung ausgeru-fen, was allerdings nicht darüber hinwegzutäuschen vermochte, dass aktuelle Formen der Wissensvermittlung, der Meinungs- und Kritikbildung „den Horror des Realen" (Slavoj Žižek) hinter der Maske des Fiktiven nur verschleiern. Virtuelle Institutionen, die auf die effektvolle Konstruktion unseres Denkens und Begehrens aus-gerichtet sind, lassen die Frage auftauchen, ob die Differenz zwi-schen „Sein und Schein" nicht längst aufgehoben und Realität zu einer undurchdringlichen Oberfläche geworden ist....


Judy Radul, World Rehearsal Court, 2009. Courtesy Belkin Art Gallery und Jeffries Gallery, Vancouver

Dieser Befund bildet die Ausgangslage für die Ausstellung: Die KünstlerInnen widmen sich der Frage und Schwierigkeit, im medi-alen Raum von heute einen Ort der kritischen Reflexion zu etablie-ren. Die Ästhetik des Avantgardefilms – seine Integration des Theat-ralen und Performativen – oder auch Bertolt Brechts Verfremdungs-effekt liefern Verfahren zur Aktivierung der „Vierten Wand" als Analyseinstrument und bieten Alternativen zu einer entfremdeten Lebenswelt.


Wendelien van Oldenborgh, No False Echoes, 2008. Courtesy Wilfried Lentz, Rotterdam

Die Ausstellung unternimmt den Versuch, Denis Diderots Idee der Vierten Wand als ästhetischer Nahtstelle am Übergang von medial produziertem zu dessen verinnerlichtem Bild zu aktivieren. Vergleichbar der Leinwand im Kinoraum, erzeugt die „durchsichtige" Wand eine Distanz zwischen Bühne und Zuschauerraum. Diderots Mise-en-scéne – eine Abfolge von emotional aufgeladenen Tableaux vivants –, die ein komplexes Vexierspiel mit der An- und Abwesenheit der Vierten Wand beschreibt, öffnet einen Möglich-keitsraum, die Realität im Zerrspiegel ihrer multiperspektivischen Facetten zu betrachten. Anhand dieser Analyse und dem daraus resultierenden Erkennen wäre emanzipatorisches Handeln vielleicht wieder möglich. Die KünstlerInnen der Ausstellung nehmen dazu mikropolitische Gemeinschaften unter die Lupe, verwandeln soziale Felder in theatralische Schauplätze, sezieren deren Strukturen mit Rhetoriken des Theaters und des Films. Dokumentarisches, (Auto)Biografisches und Fiktives bilden das Material für diese kritische Befragung der aktuellen Verfasstheit unserer Lebenswelt.

[Quelle: http://foundation.generali.at]

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zuletzt geändert am 09.11.2017


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