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Business as usual - Johanna & Helmut Kandl

11.05.2005 - 24.06.2005

Rakouské kulturní fórum Praha, Praha / Ceská Republika

Für Johanna und Helmut Kandl ist die Kunst kein völlig autonomes Gebiet, sondern im Gegenteil ein integraler Bestandteil des sozialen Systems. Das bedeutet im Wesentlichen, dass Kunst vor allem ein soziales Kommunikationsmittel ist, sowie ein Mittel zur Abbildung und somit direkten Konstruktion von Realität. Demnach besteht die Aufgabe von Künstlern darin, die Beziehungen zwischen den verschiedenen sozialen, politischen und künstlerischen Konstrukten und der Realität zu suchen. Künstler, die auf diese Weise denken, haben ein Gefühl für soziale Fragen, sozialpolitische Veränderungen und kulturelle Unterschiede und nehmen ihnen gegenüber eine kritische Position ein.... Sie sind Grenzgänger und geradezu fasziniert von den verschiedenen Formen des Soziallebens. In einem Interview meinte dazu Johanna Kandl: „Man kann das Gefühl haben, dass sich in einem Sozialsystem, das sich von dem unseren so stark unterscheidet, eine andere, parallele Lebensform entwickeln kann. Als würden wir uns selbst sehen können, wie wir in einem anderen Land als eine andere Person leben.“ So eine Schnittstelle war für Johanna Kandl von jeher die Grenze des Ostblocks zum Westen. Sie hat diese Grenze mit einer gewissen Besessenheit untersucht und eine ganze Projektserie mit Reisen „in den Osten“ verbunden. Sie beinhaltet nicht nur die nahen oder benachbarten Länder wie Tschechien und Rumänien, sondern viele Länder der ehemaligen Sowjetunion wie die Ukraine, Litauen, Georgien oder Aserbaidschan.

Alle Bilder, die wir schaffen und auch die, die uns überfluten, haben ihre Politik. Sie sind mit einer bestimmten ideologischen Vorstellung verbunden und beeinflussen stark unsere Wahrnehmung. Sie sind ein unverzichtbares Dokument unseres Lebens, wir sammeln sie und ordnen sie, wozu wir Systeme in Museen, Galerien und sogar zu Hause in unseren Alben zur Verfügung haben. Die Kandls analysieren in ihren kooperativen Projekten, aber auch jeder für sich solche Bildarchive, bringen sie in neue Zusammenhänge und können so darin versteckte Inhalte aufdecken. In einem Projekt verglichen sie zum Beispiel Urlaubsfotos von Familien aus zwei Grenzstädten – dem mährischen Znaim und österreichischen Laa. Ihre Studien zeigen die Familienfotos nicht nur als Aufzeichnungen ähnlicher, jedoch unterschiedlich realisierter Träume und Sehnsüchte nach Glück und Exotik, sondern es gelingt ihnen damit etwas viel wichtigeres – sie bewegen die Bewohner der benachbarten Städte auch zur Kommunikation unter einander.

„Foto-Video-Projekte“, wie die Arbeiten von Johanna und Helmut Kandl manchmal bezeichnet werden, und die großzügigen Gemälde von Johanna Kandl, wirken in einem breiten sozialen und politischen Kontext. Obwohl sie Serien von dokumentarischen, pädagogischen, wissenschaftlichen sowie privaten und oft anonymen Bildern und Fotos verarbeiten, wie etwa dem „Doktor aus Wien“ von Helmut Kandl in dieser Ausstellung, verweisen sie stets auch auf das breite Panorama ihrer Zeit. Für Tschechien könnten diese Werke als Vorbild dienen, wie man offen kommunizieren und das Maximum aus scheinbar banalen Bildern herausholen kann, wenn man sie nur aus der Nähe und sehr aufmerksam betrachtet.

(Pressetext: Jirí Ševcík)

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