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Eigensinn und Eigensicht. Selbstporträts von Wiener Künstlern

10.09.2004 - 07.10.2004

Rakouské kulturní fórum Praha, Praha / Ceská Republika

Als Dokument für das Selbstbewusstsein der sich aus der Anonymität lösenden Künstlerpersönlichkeit ist das Selbstbildnis ein spätes Kind der bildenden Kunst. Erst das angeblich so anonyme Mittelalter hat, vorerst versteckt, doch gar nicht so selten, Selbstdarstellungen hervorgebracht. Seit der Renaissance erkennen wir in ihnen die wesentlichen Zeugnisse zum Eigenverständnis des Künstlers.
Das 20. Jahrhundert hat das Menschenbild als Thema der Kunst relativiert, und man könnte meinen, dass der so oft prophezeite Tod des Tafelbildes auch den Verlust des Selbstporträts mit bedingt hätte.... Doch die Loslösung von der sichtbaren Welt und das formale Experiment haben die Selbstreflexion nicht obsolet werden lassen. Dies gilt nicht allein für Wien, wo man auch mit der eher zögerlich erfolgten privaten Akzeptanz des Freudschen Erbes das Interesse an der Sichtbarmachung des Ego erklären könnte.
So hat Rudolf Hausner mit den unzähligen Varianten seines „Adams“ das Selbstporträt zum Hauptmotiv seines Werkes gemacht, für Arnulf Rainer waren exaltierte grimassierende Fotografien Ausgangspunkt für bis an die Schmerzgrenze gehende Überdeckungen, Verletzungen und Pointierungen der eigenen Erscheinung, und natürlich lag es auch Alfred Hrdlicka nicht, sich als strahlenden Helden wiederzugeben.
Der Schwerpunkt der Ausstellung Eigensinn und Eigensicht liegt bei Künstlern der mittleren und jüngeren Generation, und gerade sie bedienen sich bei Selbstfindung und Selbstbefragung eines breiten Spektrums von Methoden und Medien. Sie reichen von den expressiv-realistischen Selbstporträts und –akten, mit denen sich etwa Josef Kern schon vor gut 20 Jahren im Strom der Neuen Wilden behauptete, bis zu allen Möglichkeiten der Fotografie, die das Feld der Dokumentation längst verlassen hat, sich mit der Performance verband (Valie Export, Margot Pilz) und wie im alten „Tableau vivant“ auch das literarische und optische Zitat am Leben erhält (Gregor Zivic, Rosa Brueckl/Gregor Schmoll). In skurrilen Objektplastiken (Heribert Friedl, Kurt Hentschläger) manifestiert sich eine extrem ironisierte Eigensicht, wie sie auch dem Maler Peter Pongratz nicht fremd ist; nach Recherchen in alten Fotoalben stellte sich Rita Vitorelli in der virtuellen Rolle eines kühlen Kinder-Vamps dar. Ihrer weiblichen Stärke und ihrer Erotik sind sich Christy Astuy und Elke Krystufek so bewusst, dass Männern bange werden könnte.
Solange Künstler ihr eigenes Bild irgendwo zwischen versuchter Objektivität, quälender Selbstkritik und irritierendem Exhibitionismus zu positionieren versuchen, machen sie uns neugierig, Person und Werk näher kennen zu lernen.
Wolfgang Hilger, Kurator

(Pressetext: ÖKF Prag)

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