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Edgar Honetschläger. Go Bugs Go

27.11.2018 - 27.11.2018

Kunsthalle Wien Karlsplatz, Wien / Österreich

19 Uhr: Podiumsdiskussion mit Dr. Peter Iwaniewicz (Biologe), Mag. Carolin Seifriedsberger (Rechtsanwältin, DLA PIPER) und Edgar Honetschläger

Kurator und Moderation: Lucas Gehrmann

The Bugs' Architects: the next ENTERprise (Ernst Fuchs + Marie-Therese Harnoncourt)

Der österreichische Künstler und Filmemacher Edgar Honetschläger widmet sich in seinem international angelegten Projekt Go Bugs Go! dem Versuch, kollektive Renaturalisierungsmaßnahmen in Gang zu setzen und vor allem Insekten ihren Lebensraum zurück zu geben.... Gemeinsam mit Rechtsanwälten, Biologen, Landwirten und Real Estate-Entwicklern soll diese transdisziplinäre Initiative des Künstlers eine kollaborative Praxis ins Leben rufen, die jeder und jedem Einzelnen von uns die Möglichkeit gibt, aktiv zu werden, um unsere Erde vor dem drohenden Kollaps zu bewahren. Go Bugs Go! wird erstmals in der Kunsthalle Wien präsentiert.

Honetschläger ist ein beständig Reisender, der in den letzten 25 Jahren in den USA, in Japan, in Brasilien und Italien gelebt hat und sich in seiner künstlerischen Methode auf die Infragestellung kultureller Gegebenheiten, des Konzepts der Individuation und unseres Umgangs mit der Natur konzentriert.

Auf seinen Reisen machte er überall die gleiche erschreckende Erfahrung, welche großen, teilweise bereits irreversible Schäden intensive Landwirtschaft, maßloses Konsumverhalten und Ressourcenverschwendung angerichtet haben und mit welch rasender Geschwindigkeit diese Entwicklung von statten geht. In Australien fuhr er stundenlang durch Landstriche, die von Millionen von Rindern bevölkert sind, ohne einem einzigen Känguru oder Koalabären zu begegnen. In Japan erlebte er die tragischen Folgen des dreifachen Supergaus im Atomkraftwerk Fukushima für Natur und Mensch.

Zurück in Europa empfingen Honetschläger in seinem 800 m²-Garten nördlich von Rom monatelange Trockenheit und eine gespenstische Stille: In den letzten 20 Jahren sind 80% der Insekten und als Folge 40% der Vogelpopulation verloren gegangen. Mangel an Regen und Pestizide lassen die kleinen Tiere von der Erde verschwinden, die natürliche Bestäubung von Blüten vermissen, den Ertrag von Gemüse und Früchten schrumpfen und uns Schmetterlinge, Zikaden, Bienen oder Glühwürmchen wie Kreaturen aus ferner Vergangenheit erscheinen. Grund genug für den Künstler, aus seinem Erfahrungshintergrund als über kulturelle Konventionen global denkender Vazierer zu schöpfen, anzuhalten, zu reflektieren und lokal aktiv zu werden. Er begann im Austausch mit italienischen Bauern seinen Garten mit Gemüse biologisch zu bewirtschaften und natürliche Pflanzenschutzmittel und alternative Kultivierungsformen zu erproben. Parallel zu seinem sich explosionsartig entwickelnden Garten keimte in ihm die Idee, eine Interessensgemeinschaft zum Schutz der Insekten zu gründen. Go Bugs Go! Was, wenn sich Millionen von Menschen, die sich rund um den Globus Sorgen um die Zukunft der Erde machen, austauschen? Was, wenn wir uns zusammentun, ein Stück Land kaufen und es der Natur zurückgeben, wo sich Pflanzen, Insekten, Vögel und andere Tiere ungehindert entwickeln können? Wo wir nichts anbauen, nicht düngen, nicht eingreifen und zerstören. Wo Gräser und Bäume wachsen, Wasser sich sammelt und Tiere sich vermehren können. Go Bugs Go!

Edgar Honetschläger ist kein weltfremder Träumer oder gesellschaftlicher Systemaussteiger, vielmehr ein utopischer Realist, getragen von der Idee, aus seiner künstlerischen Praxis heraus eine konstruktive Utopie für die Zukunft unserer Umwelt und unsere Form des sozialen Zusammenlebens zu entwickeln. Er gründete eine Non Profit Organisation, setzte eine Website auf, vernetzte sich über soziale Medien mit Wirtschaft, Politik und Kunst. Daneben erntete er hunderte Kilos Tomaten, Zucchini und Melanzani, verkochte sie, füllte sie in Gläser und vergibt sie in der Kunsthalle Wien gemeinsam mit einem Print im Karton verpackt an all jene „Buggies“, die bereit sind, gegen einen Mindestbeitrag Stakeholder von Go Bugs Go! und damit zukünftige*r Brachlandbesitzer*in zu werden. Indem gemeinsam Land erworben wird und in den kollektiven Besitz übergeht, soll sich gemeinsames Interesse an der Erhaltung unser aller Lebensgrundlage gegen das kurzsichtige Profitstreben des Einzelnen durchsetzen. Go Bugs Go!

Fiona Liewehr, Oktober 2018

[Quelle: www.kunsthallewien.at]

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